Montag, 2. Oktober 2017

[Rezension] Per Handschlag für immer - Lotte R. Wöss

 



Titel: Per Handschlag für immer
Autor: Lotte R. Wöss

Genre: Liebesroman
Seiten: 290
Erscheinungsjahr: 2016
Verlag: Selfpublisher
ISBN: 9781537565378

Preis: 10,70 € (TB) / 2,99 € (ebook)

Bewertung: ★★☆☆☆





Inhalt
Nur ein Ehevertrag samt Marketingtrick vereint Nora und Klaus. Die mollige Besitzerin einer Schokoladenmanufaktur und der enttäuschte Leiter einer renommierten Backwarenfirma wollen gemeinsam ein neues Produkt auf den Markt bringen. Gefühle haben in dieser Partnerschaft keinen Platz. Zu sehr sind die beiden mit Vorurteilen und persönlichem Ballast behaftet. Doch dann bekommt das Paar einen unberechenbaren Mitspieler …


Meine Meinung
Ich kann meine Kritik zu diesem Buch in wenigen Worten zusammenfassen: zu konstruiert, zu vorhersehbar und etwas ungeschickt umgesetzt.

Ich habe das Buch mit der Erwartung in die Hand genommen, dass ich einen netten, leichten, unkomplizierten Liebesroman vor mir habe, der wahrscheinlich kein Bestseller wird, aber doch unterhalten kann.

Leider sind mir trotz der geringen Erwartungen viele Dinge aufgefallen, die ich ehrlich kritisieren muss, da sie das Lesevergnügen deutlich geschmälert haben und ich hoffe, die Autorin verzeiht mir, dass ich dem Buch nicht mehr Sterne geben kann.

Zum Einen hätten wir da die Charaktere. Trotz des Versuchs zumindest die beiden Protagonisten als Individuen darzustellen, werden sie doch immer wieder nur auf ihre Makel reduziert – Klaus hat eine hässliche Narbe und Nora ist dick. Beide haben Komplexe deswegen, aber beide haben auch ihre Stärken. Es scheint, als würden sich die beiden nur dadurch definieren. Sie bleiben also leider sehr eindimensional.

Zudem gibt es in dem Buch unglaublich viele Wiederholungen, die mich furchtbar gestört haben, weil es sich nicht nur inhaltlich oft im Kreis gedreht hat, sondern weil auch die Formulieren oft dieselben waren, sodass man sich als Leser schon fast blöd vorkommt… so auf die Art: „Ich schreibe das jetzt so oft, bis der Leser es auch wirklich versteht“ – und das ist leider verdammt oft! Das wäre wirklich nicht nötig gewesen.

Die Dialoge sind leider auch nicht das Gelbe vom Ei. Ich denke da vor allem an das Verhandlungsgespräch (S. 50 f). Hier stört nicht nur, dass die Dialoge einfallslos und zu direkt sind, sondern auch die vielen konstruierten Unterbrechungen durch den Kellner oder durch die Erzählstimme, die sich übrigens im gesamten Buch etwas zu oft in den Vordergrund drängt.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den auktorialen Erzählstil. Ich fand den Einsatz dieses „allwissenden Erzählers“ in diesem Buch sowohl ungeschickt als auch unvorteilhaft. Es hätte dem Buch gut gestanden, wenn man sich auf den personellen Erzählstil beschränkt und dazu abwechselnd aus der Sicht von Nora und Klaus geschrieben hätte. Das hätte etwas mehr Ordnung und Struktur hineingebracht. Im vorliegenden Fall empfand ich es leider als sehr anstrengend… die vielen Hüpfer zwischen den Gedanken der handelnden Personen haben mich einfach in meinem Lesefluss gestört.


Ein Roman lebt von seinen Konflikten. Auch in diesem Buch mangelt es daran nicht. Doch auch hier konnte mich die Umsetzung nicht vollends begeistern…
Die inneren Konflikte der Protagonisten werden schon früh eingebracht. Nora hat Komplexe wegen ihres Gewichts und findet Klaus‘ Narbe abstoßend. Klaus hat Komplexe wegen seiner Narbe und findet Nora dick. Trotzdem wollen die beiden heiraten, eine Vernunftehe. Kein schlechter Konflikt. Leider wird die Auflösung auch schon im ersten Kapitel angedeutet, sodass der Konflikt schnell an Interesse und Relevanz verliert. (Klaus erkennt, dass Nora ein hübsches Gesicht hat, Nora bemerkt, dass Klaus einen attraktiven Körper hat -> sie erkennen die Vorzüge des anderen und die Makel treten in den Hintergrund).

Auch die anderen Konflikte (Noras Familie, der Sabotageakt, die Ex-Frau von Klaus) bieten viel Potential. Ich will die Umsetzung dieser Konflikte jetzt auch nicht negieren, doch mich hat es gestört, dass sich die Konfliktsituationen nicht weiterentwickelt oder verändert haben. Die Konflikte wurden eingeführt und sie wurden mit den endlosen Wiederholungen immer wieder ins Gedächtnis gerufen, bis sie schließlich aufgelöst wurden. Das hätte man geschickter und spannender lösen können.

Zum Ende nahm die Geschichte dann noch einmal an Fahrt auf. Es passiert sehr viel und vieles davon hätte spannend sein können, wenn es nicht so überaus konstruiert daher gekommen wäre… Darauf kann ich jetzt aber ohne Spoiler nicht eingehen, deswegen lasse ich es mal so stehen…

Fazit
Es tut mir leid diesen Roman so negativ bewerten zu müssen. Trotzallem will ich anmerken, dass nicht alles schlecht war! Denn auch wenn ich viel Negatives hervorgehoben habe, denke ich, dass „Per Handschlag für immer“ in der richtigen Zielgruppe bestimmt begeisterte Leser finden wird. Meinen Geschmack hat es nicht getroffen, aber das muss ja nichts heißen 😉

Ich hoffe, dass Lotte R. Wöss ihr Schreibtalent weiter ausbaut und meine Rezension nicht als Beleidigung auffasst, sondern als konstruktive Kritik.

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