Dienstag, 3. Oktober 2017

[Rezension] Das unvollendete Bildnis - Agatha Christie

 


Titel: Das unvollendete Bildnis
Autor: Agatha Christie

Genre: Krimi
Seiten: 222
Erscheinungsjahr: 1997
Verlag: Loewe
ISBN: 3-7855-3096-X
Original: Five Little Pigs (1942)

Preis: (bezieht sich auf eine andere Ausgabe)
10,00 € (TB) / 8,99 € (ebook)

Bewertung: ★★★★☆





Inhalt
Vor sechzehn Jahren wurde der bekannte Künstler Amyas Crale vergiftet. Für den Mord verurteilte man seinerzeit seine Frau Caroline. Tochter Carla ist jedoch von der Unschuld ihrer Mutter überzeugt. Für sie gibt es im Umfeld der Familie fünf weitere Personen, die als Täter in Frage kommen, darunter die Frau, die für ihren Vater Modell saß, sowie die Halbschwester ihrer Mutter. Hercule Poirot ist skeptisch, als Carla ihn beauftragt, die Angelegenheit neu aufzurollen. Doch im Gegensatz zu Amyas Crales letztem Gemälde bleibt dieser Fall nicht unvollendet...


Meine Meinung
Es ist erstaunlich wie Agatha Christie es schafft, mit simplen Mitteln einen hervorragenden Krimi zu konstruieren.

Die Handlung ist schnell erklärt: Carla Lemarchant möchte vor ihrer Hochzeit Klarheit über die Ereignisse vor 16 Jahren, als ihre Mutter für dem Mord ihres Mannes angeklagt und verurteilt wurde. Poirot spricht mit den Beteiligten, um das Geschehen zu rekonstruieren.

Man steigt gleich in die unmittelbare Handlung ein, als Carla Poirot aufsucht und ihn mit der Aufklärung des Falles beauftragt (das alles passiert im Prolog auf wenigen Seiten). Danach geht es ohne Umschweife zu den Befragungen der beteiligten Personen des lange zurückliegenden Falls. Das nimmt 10 kurze Kapitel in Anspruch. Danach bittet Poirot die Zeugen zusammenzukommen und löst den Fall. Ganz simpel.

Das Tempo ist schnell, es gibt keine unnötigen Schnörkel oder Beschreibungen, keine Nebenhandlungen etc. – in jedem Kapitel befragt Poirot einen anderen Zeugen ohne großes Gerede, auf den Punkt gebracht. Somit besteht ein Großteil des Buchs aus Dialogen bzw. Monologen, was das Lesen sehr kurzweilig macht.

Obwohl die Zeugenaussagen sehr nüchtern und sachlich aufgeführt werden, schafft es Christie trotzdem ein lebendiges Bild der Handlung und der Personen zu erschaffen. Schreibstil und Aufbau des Romans glänzen durch ihre Schlichtheit und Direktheit und es entsteht eine gespannte Erwartung beim Lesen.

Ich dachte anfangs, dass es doch sehr vorhersehbar ist, wer der Mörder ist, weil so viele subtile Hinweise gestreut wurden. Doch am Ende musste ich feststellen, dass ich mit meiner Vermutung knapp danebenlag. Insofern kann ich das auch nicht als Kritik angeben.

Da der Text sich überwiegend auf Dialoge und Sachverhalte stützt, wirkt der hier verwendete auktoriale Erzählstil, den Agatha Christie übrigens sehr gut beherrscht, sehr stimmig, sodass er weder aufdringlich noch verwirrend ist.


Fazit
„Das unvollendete Bildnis“ ist rückblickend betrachtet eine sehr tragische Geschichte! Das Ende hat mich jedenfalls ein wenig traurig gestimmt. Zur Umsetzung kann ich nur sagen: weniger ist manchmal mehr! Agatha Christie ergeht sich nicht in unnötigem Drumherum, sie bringt die Handlung auf den Punkt und das ist zur Abwechslung mal richtig schön zu lesen!

An alle, die klassische Krimis mögen (oder es gerne mal ausprobieren wollen), kann ich dieses Buch bzw. alle Bücher der Autorin wärmstens empfehlen!

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