Sonntag, 17. September 2017

[Rezension] Raumjäger - Robert A. Heinlein

 


Titel: Raumjäger
Autor: Robert A. Heinlein

Genre: Science Fiction
Seiten: 336
Erscheinungsjahr: 2014
Verlag: Heyne
ISBN: 9783453316287
Original: Have Space Suit, Will Travel (1958)

Preis: 8,99 € (TB) / 7,99 € (ebook)

Bewertung: ★★★☆☆




Inhalt
Kip Russell träumt von einer Reise ins All, seit er denken kann. Bei einem Wettbewerb verpasst er knapp den ersten Preis – eine Reise zum Mond. Stattdessen gewinnt er den Trostpreis, einen Astronautenanzug. Als er dann das erste Mal in den fremdartig schimmernden Anzug schlüpft, wird sein Traum plötzlich wahr, allerdings ganz anders, als Kip es sich ausgemalt hatte: Er wird mitten ins Universum katapultiert und findet sich an Bord eines Raumschiffs wieder – als Gefangener von Piraten, die Böses im Sinn haben und keinen Heller auf sein Leben geben …


Meine Meinung
„Raumjäger“ ist ein Klassiker des Science-Fiction-Genres und wird als Meisterwerk angepriesen. Die Story fand ich auch wirklich gut, aber die Umsetzung und der Schreibstil sind doch etwas gewöhnungsbedürftig.

Die Geschichte startet sehr vielversprechend. Es hat mir sehr gefallen, wie gleich im ersten Abschnitt Kip und sein Vater charakterisiert werden:
„Dad“, sagte ich, „ich will zum Mond.“
„Gewiss“, antwortete er […]
Ich sagte: „Dad, bitte! Es ist mir ernst.“
[…] „Ich habe doch gesagt, dass es mir recht ist. Nur zu.“
„Ja… aber wie?“
„Hm?“ Jetzt wirkte er leicht überrascht. „Aber das ist doch dein Problem, Clifford.“ (S. 5)

Kurze Zeit später werden die Charaktere noch deutlicher, als Kip von seinen Experimenten im Holzschuppen erzählt:
Mutter war beunruhigt, als ich die Fenster heraussprengte und die Scheune in Brand steckte – nur ein kleines Feuer -, aber Dad war das nicht. Er gab mir nur den Rat, in einem Holzhaus keine Explosivstoffe herzustellen. (S. 17)

Man erfährt also auf charmante Weise, dass Kip sehr neugierig, wissbegierig, abenteuerlustig und experimentierfreudig ist. Sein Vater dagegen ist eher stoisch, nicht leicht aus der Ruhe zu bringen und fördert die Wissbegier seines Sohnes.


Die erste kleine „Enttäuschung“ war für mich, als Kip beim Preisausschreiben verliert und nur den Raumanzug bekommt, denn von seinen Gefühlen bleibt der Leser weitestgehend abgeschnitten. Das zieht sich übrigens durch das komplette Buch. Die Gefühle der Charaktere werden meist subtil durch die Dialoge transportiert, was sehr gewöhnungsbedürftig ist.

Der Nachteil bei dieser Art der – ich nenne es mal „Gefühlsübermittlung“ – ist, dass die Dialoge oft sehr künstlich und „overacted“ wirken, teilweise auch etwas albern. Außerdem ist man es in der heutigen Literatur einfach gewohnt, vor allem wenn ein Buch aus der Ich-Perspektive geschrieben ist (was hier der Fall ist), dass man eben die Gefühle des Protagonisten hautnah miterlebt. Bei Kip fehlte mir diese Verbindung ein wenig.

Gut, kommen wir zu den positiven Dingen. Die Story selbst ist sehr abenteuerlich und fantasievoll. Sie wirkt manchmal etwas wirr und ich wurde beim Lesen manchmal etwas ungeduldig, weil ich nicht wusste, worauf das Ganze denn hinauslaufen soll. Das Ende hat mich dafür aber entschädigt. Die Story entwickelt sich tatsächlich in eine unvorhergesehene (gesellschaftskritische) Richtung, die mir wirklich gefallen hat.

Die Figuren, vor allem die Aliens, sind sehr einprägsam und originell. R.A. Heinlein hat sich hier ein paar schöne und interessante Spezies einfallen lassen.

Der Protagonist Kip wird nicht als Heldenfigur dargestellt. Er ist zwar recht intelligent, aber ansonsten ein Durchschnittstyp. Auf seiner abenteuerlichen Reise tut er auch nichts außergewöhnliches, er ist einfach er selbst – ein gewöhnlicher Mensch. Das fand ich super! Einerseits gibt es in der Literatur kaum „normale“ Protagonisten, die mal keine magischen Fähigkeiten oder unglaubliches Geschick haben, und andererseits hat Kips Charakter einfach perfekt zur Handlung und Message des Buchs gepasst.


Fazit
Der größte Kritikpunkt geht eigentlich auf den Schreibstil, der mich oft verwirrt oder genervt hat und der dafür gesorgt hat, dass ich keine richtige Verbindung zum Protagonisten aufbauen konnte. Aber da bin ich vielleicht einfach von der modernen Literatur zu sehr verwöhnt. Die Story selbst empfand ich als sehr fantasievoll und abenteuerlich. Das Ende konnte mich überraschen und bringt durch die Gesellschaftskritik noch etwas mehr Tiefe und Content in das Buch.

Eine klare Leseempfehlung kann ich nicht geben, das Buch ist definitiv Geschmackssache. Aber wenn ihr klassische SciFi-Romane mögt, dann solltet ihr "Raumjäger" auf jeden Fall eine Chance geben!

Von mir gibt es gute 3 Sterne!

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