Freitag, 5. Mai 2017

[Rezension] Tote Mädchen lügen nicht - Jay Asher

Titel: Tote Mädchen lügen nicht
Autor: Jay Asher

Genre: Jugend, Drama
Seitenzahl: 288
Erscheinungsjahr: 2009
Verlag: cbt
ISBN: 9783570308431
Original: 13 Reasons Why (2007)

Preis: 8,99 € (TB) / 7,99 € (ebook)



Anmerkung: Meine Ausgabe ist vom Club Bertelsmann, deswegen weicht das Cover ab.


Inhalt:
Als Clay Jensen aus der Schule nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf »Play« – und hört die Stimme von Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat. Mit ihrer Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. Dreizehn Gründe sind es, die zu ihrem Selbstmord geführt haben, dreizehn Personen, die daran ihren Anteil haben. Clay ist einer davon ...


Meine Meinung:
Ich hatte das Buch 2011 schon einmal gelesen, aber keine Rezension dazu verfasst. Da jetzt durch die Netflix-Serienadaption das Buch wieder in aller Munde ist, habe ich es einfach nochmal gelesen - und hier kommt meine Meinung dazu im Vergleich zur Serie.

Als ich anfing die Serie zu schauen, konnte ich mich an das Buch nicht mehr wirklich erinnern. Die Grundstory war klar, aber die Details sind im Laufe der Zeit verschwommen; so konnte ich die Serie relativ unvoreingenommen anschauen. Ehrlich gesagt war ich gleich gefesselt und habe die 13 Folgen innerhalb von 2 Tagen verschlungen. Gleich darauf griff ich zu dem Buch.

Es ist immer schwierig oder gar unmöglich ein Buch mit der Film- oder Serienadaption zu vergleichen, weil es einfach zwei unterschiedliche Medien sind und ganz unterschiedlich wirken. Für die Serie wurden einige Dinge verändert und ich fand die Änderungen wirklich sinnvoll und gut umgesetzt.

Während Clay im Buch nur eine Nacht braucht, um sich die Kassetten anzuhören, wird es in der Serie auf mehrere Tage ausgedehnt. Das gibt den Figuren Zeit sich zu entwickeln und man erfährt viel mehr über die einzelnen Personen als im Buch.

Das Buch beschränkt sich auf Hannahs Erzählungen und Clays Reaktionen darauf, was ich auch als kleinen Kritikpunkt am Buch erwähnen möchte. Es fehlt einfach ein bisschen an aktiver Handlung. Man "hört" Hannah zu, immer wieder unterbrochen von Clays Gedanken oder kurzen Beschreibungen davon, was er gerade tut. Teilweise fand ich diese Unterbrechungen ziemlich störend, weil es den Lesefluss etwas gehemmt hat. Andererseits wäre es auch ziemlich eintönig gewesen, nur Hannahs Erzählungen zu lesen.

Dadurch dass man das meiste nur aus der Sicht von Hannah erfährt, bleiben die Charaktere leider sehr eindimensional. Irgendwie verständlich, denn Hannah erzählt ja über Leute, die den Zuhörern (Clay & Co.) bekannt sind, also warum sollte sie eine genaue Charakterbeschreibung geben? Trotzdem wurden die Figuren (bis auf Clay) nie so richtig "lebendig".

In der Serie gab es dagegen bessere Möglichkeiten die Figuren ins Spiel zu bringen, sie agieren zu lassen und sie dem Zuschauer näher zu bringen. Sie hatten ein Gesicht (nicht nur im übertragenen Sinne). Das hat es leichter gemacht, die Auswirkungen von Hannahs Selbstmord nachzuvollziehen und hat einfach noch viel mehr Content geboten.

Übrigens fand ich Clays Charakter in der Serie viel sympathischer. Im Buch war er einfach irgendein beliebter Durchschnitts-Kerl - ziemlich langweilig also. In der Serie wurde er eher als schüchterner Nerd dargestellt, was ihn viel interessanter und greifbarer machte. Ich konnte mich da viel besser mit ihm identifizieren. Außerdem hat es die Beziehung zwischen Hannah und Clay verdeutlicht, weil sie beide ähnliche Interessen hatten und irgendwie auf derselben Wellenlänge waren.

Was ich noch anmerken möchte:
Ich habe schon gehört, dass manche die Gründe für Hannahs Suizid nicht nachvollziehen konnten. "War doch gar nicht so schlimm (bis auf die Sache mit Bryce)" etc.
Man sollte aber bedenken, dass sie sich umbrachte, weil sie Depressionen hatte und die Gründe für eine Depression können vielfältig sein. Wenn die negativen Dinge sich häufen und irgendwann alles zu viel wird, ist man unfähig Hilfe anzunehmen und Hoffnung zu empfinden. Das ist der Grund, warum Menschen in ihrer Verzweiflung diesen Weg wählen.

Ich finde die Themen Mobbing und Suizid sehr wichtig und ich finde es gut, dass sie dem Leser/Zuschauer nahe gebracht wurden, teilweise auch recht schonungslos. Es öffnet hoffentlich einigen Menschen die Augen und bewirkt, dass wir achtsamer miteinander umgehen.

Fazit:
Das Buch ist unterhaltsam und kurzweilig. Es hat eine ganz eigene Dynamik und trotz der kleinen Kritikpunkte, die ich genannt habe, finde ich es wirklich lesenswert.
Die Serie ist wahnsinnig gut umgesetzt und konnte mich voll und ganz überzeugen. Müsste ich mich für eins von beiden entscheiden, würde ich der Serie den Vorzug geben.
Von mir gibt's 3 1/2 Punkte für das Buch.
★★★☆☆


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