Dienstag, 2. Mai 2017

[Rezension] Der Herr der Ringe - J.R.R. Tolkien



Titel: Der Herr der Ringe
Autor: J.R.R. Tolkien

Genre: High Fantasy
Seitenzahl: 1295
Erscheinungsjahr: 2008 
Verlag: Klett-Cotta
ISBN: 9783608938302
Original: The Lord Of The Rings (1954)

Preis: damals 128 Euro
(mittlerweile teurer, da limitiert)








Inhalt:
Dem jungen Hobbit Frodo wird ein Ring anvertraut, der in den falschen Händen großes Unheil anzurichten vermag. Um seine Heimat zu schützen, begibt sich Frodo mit einigen Freunden auf den Weg nach Bruchtal zu den Elben, in der Hoffnung, dass der Ring dort sicher verwahrt werden kann.
Doch der Ring kann nicht in Bruchtal bleiben, er muss in den Feuern des Schicksalsbergs vernichtet werden. So werden Frodo und seine 8 Gefährten ausgeschickt, um das Böse aufzuhalten und den Ring zu zerstören ...



Anmerkung zur Sonderausgabe:
Ich hatte zuvor die grüne Ausgabe mit der Übersetzung von Wolfgang Krege, aber als ich diese limitierte Sonderausgabe mit Ledereinband und Goldprägung in der Buchhandlung sah, konnte ich einfach nicht wiederstehen.

Hier ein kurzes Pro/Contra zu dieser Ausgabe:
+ Alle 3 Bücher in einem Band inkl. Anhänge

+ herausnehmbare Karte von Mittelerde
+ überarbeitete Carroux Übersetzung (besser als Krege)
+ 2 Lesebändchen
+ hübsch anzusehen
- sehr dünne Seiten, man muss beim Umblättern sehr aufpassen
- der Pappschuber ist nicht so hübsch und verdeckt das meiste von der Goldprägung
- die Schrift ist recht klein und eng bedruckt, ist auf Dauer anstrengend zu lesen 



Meine Meinung:
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich vor der Verfilmung noch nichts über den Herrn der Ringe gehört hatte (damals war ich aber auch erst 12 Jahre alt). Da ich dann von den Filmen so begeistert war, musste ich als Bücherwurm natürlich auch gleich die literarische Vorlage lesen.

Ich habe jetzt die Bücher zum 2. Mal gelesen (zuerst die Krege-Übersetzung und dann die von Carroux) und muss ehrlich sagen, dass ich die Filme tatsächlich besser finde.
Natürlich haben die Bücher ihren ganz eigenen Charme, die altmodische Sprache und die vielen Hintergründe sind wirklich faszinierend, aber meiner Meinung nach gibt es auch einige Schwächen, die Peter Jackson in seiner Verfilmung erfolgreich ausgebessert hat.

So fand ich z.B. den Anfang des Buches sehr langwierig und anstrengend. Die Geschichte kommt nicht richtig in Gang und bis Frodo sich endlich auf den Weg macht vergehen 17 Jahre! 


Die meisten Szenen, die ich in den Filmen richtig spannend oder emotional fand, sind im Buch relativ unspektakulär und rasch abgehandelt. Dafür ergeht sich Tolkien immer wieder in endlosen Landschaftbeschreibungen, was einerseits natürlich hilft sich in diese fremde Welt hineinzuversetzen, andererseits aber auch alles unsagbar in die Länge zieht, sodass immer wieder die Spannung der Geschichte verloren geht.

Durch den autorialen Erzählstil, den Tolkien gewählt hat, bleiben zudem auch die Charaktere sehr zweidimensional. Man erfährt leider wenig über ihre Persönlichkeiten, ihre Gedanken und inneren Konflikte. Gerade Merry und Pippin fand ich in den Filmen so sympathisch, weil sie frech und lustig dargestellt wurden; im Buch konnte ich mich nicht wirklich mit ihnen anfreunden, sie blieben mir fremd.


Ich bin froh, dass ich zuvor die Verfilmung angeschaut habe, denn die Filme haben mir geholfen, mich besser in der Geschichte zurecht zu finden und auch die Charaktere lieb zu gewinnen.

Es fällt mir wirklich schwer, eine Bewertung zu diesem Meisterwerk abzugeben. Die Geschichte und die ganze Welt, die Tolkien erschaffen hat, ist einfach episch und bis ins kleinste Detail durchdacht. Obwohl es sich teilweise sehr in die Länge zieht, bewegt man sich immer weiter auf das Finale zu und ist völlig in der Welt gefangen. Dafür verdient das Buch eigentlich die volle Punktzahl. 


Trotzdem vergebe ich "nur" 4 Sterne, da das Buch (wie oben erwähnt) eben auch seine Schwachstellen hat.

★★★★☆


***Bonus***
Die Anhänge - eine kurze Übersicht und meine Meinung dazu:
Die Anhänge nehmen fast 200 Seiten ein und sind wirklich keine leichte Kost. Man muss sich wirklich dafür interessieren, um etwas damit anfangen zu können.

Anhang A - Annalen der Könige und Herrscher
Es wird viel über die Zeit lange vor dem Ringkrieg erzählt, z.B. über die Entstehung der Städte und Reiche in Mittelerde und die Vorfahren der Könige und Herrscher, denen wir in der Hauptgeschichte begegnen. Man muss sich etwas Zeit nehmen, um alles zu lesen und zu verstehen und man muss sich auch wirklich dafür interessieren, sonst empfindet man es wohl als sehr verwirrend und langweilig.

Sehr interessant fand ich z.B., dass man Details aus dem Leben von Denethor II. dem Truchsess von Gondor erfährt (S. 1166 f.). Darin wird klar, warum er am Ende so grimmig wurde und warum er auf Boromir stets stolz war und Faramir ihm missfiel. Außerdem wird ein Mann namens Thorongil erwähnt, der Denethors Vater Ecthelion eine Zeitlang ein treuer Ratgeber war und eines Tages einfach verschwand. Dieser Mann war in Wahrheit Aragorn, der spätere König von Gondor.

Am besten hat mir das Kapitel über Aragorn und Arwen gefallen (S. 1168 ff.). Leider wird Arwen in der Hauptgeschichte kaum erwähnt und taucht nur kurz am Rande auf. Über Aragorn erfährt man zwar mehr, aber hier kann man noch einmal einiges über seine Herkunft und seine Liebe zu Arwen erfahren. Wie sich die beiden kennenlernten, warum sich Elrond zuerst zwischen die beiden stellte und Aragorn wegschickte und schließlich was aus Arwen wurde, nachdem Aragorn starb...

Anhang B - Die Aufzählung der Jahre
Im Anhang B findet man eine Auflistung der wichtigsten Ereignisse ab dem 2. Zeitalter. Hier wurde mir erst einmal bewusst, wie sehr Mittelerde die ganze Zeit unter Sauron zu leiden hatte. Denn im Jahr 500 (1. Zeitalter) steht geschrieben: „Sauron beginnt sich wieder in Mittelerde zu rühren“, und erst am Ende des 2. Zeitalters im Jahr 3441 gelingt es Isildur ihm den Einen Ring abzunehmen. In der Zwischenzeit gab es viele Kriege durch Sauron, Ostlinge, Orks und Uruks, unter denen die Menschen, Zwerge, Elben und auch die Hobbits litten.
Über die Ereignisse während des Ringkriegs ist die Auflistung etwas detaillierter, es ist quasi eine Kurzfassung des ganzen Buchs.

Anhang C - Familienstammbäume
Stammbäume gibt es leider nur von Frodo, Sam, Merry und Pippin.
Die Stammbäume zeigen nicht nur die Ahnen der vier Hobbits, sondern gehen auch ein wenig in die Zukunft. Ich war überrascht, dass Sam mit Rose 13 Kinder hat 😄

Anhang D - Die Kalender
Dieser Teil des Anhangs ist verdammt kompliziert und ich bin mir auch nicht sicher, ob man das wirklich wissen muss 😅
Tolkien beschreibt hier die verschiedenen Zeitrechnungen in Mittelerde, vor allem die im Auenland, und gibt auch Vergleiche zu unserer Zeitrechnung. Es ist wirklich bewundernswert, wie Tolkien hier wieder bis ins kleinste Detail alles herausgearbeitet hat, auch wenn es jetzt nicht unbedingt relevant oder nützlich ist^^

Anhang E - Aussprache und Schreibweise
In diesem Teil wird sehr ausführlich beschrieben, wie die verschiedenen Sprachen der Mittelerde-Bewohner ausgesprochen und geschrieben werden. Es ist ein sehr zähes Thema und wer sich nicht wirklich für die Sprachen interessiert, wird es wohl (ebenso wie ich) nur großzügig überfliegen.
Trotzdem muss man natürlich erwähnen, dass Tolkien auch hier wieder etwas Unglaubliches erschaffen hat. Er hat nicht nur sinnlos irgendwelche Buchstaben aneinander gehängt, um eine Fantasie-Sprache zu erfinden, sondern er hat sich wirklich darüber Gedanken gemacht, was die einzelnen Worte bedeuten und hat eigene Schriftzeichen dafür entwickelt.

Anhang F
1. Sprachen und Völker des Dritten Zeitalters
Hier geht es hauptsächlich darum, welches Volk welche Sprache spricht und wie sich einige Sprachen entwickelt haben. Das fand ich relativ interessant und auch leichter zu lesen als Anhang E, trotzdem wird mir davon leider nicht viel im Gedächtnis bleiben, da es wieder sehr umfangreich ist und auch nicht wirklich relevant (zumindest nicht für mich).

2. Zur Übersetzung
Hier erzählt Tolkien, wie er den Inhalt des „Roten Buchs“ übersetzte. Das „Rote Buch der Westmark“ ist Tolkiens fiktive Hauptquelle, die er zum Schreiben des Herrn der Ringe angibt. Auch das fand ich interessant, wenn auch etwas verwirrend. Tolkien gibt hier mehrere Beispiele, wie er Namen übersetzte. Meriadoc hieß im Roten Buch z.B. Kalimac, wovon die Abkürzung „Kali“ in der Allgemeinsprache „lustig, vergnügt“ bedeutete. Damit das auch im Englischen funktioniert, gab Tolkien ihm den Namen Meriadoc mit der Abkürzung Merry.
Was ich daran lustig/verwirrend/faszinierend fand: es gibt natürlich kein Rotes Buch und somit ist auch der Name Kalimac nur von Tolkien erfunden. Solche Beispiele gibt es in diesem Kapitel zuhauf. 



Kommentare:

  1. Bei den Anhängen hat mir besonders gefallen, dass noch erzählt wird, dass Gimli und Legolas gemeinsam die Höhlen von Helms Klamm und den Fangornwald, wie abgemacht hatten, erkunden und sich irgendwann auch nach Westen über das Meer aufmachen.
    Totoro

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    1. Stimmt! Eine schöne Ergänzung.
      Das zeigt noch einmal, dass die Freundschaft der beiden anhält :)

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